Charles Joseph de Ligne

Offizier, Diplomat, Schriftsteller

* 1735   † 1814

 

Herkunft, Unterricht bei Chevalier de la Porte

Charles Joseph de Ligne wurde am 23. Mai 1735 in Brüssel geboren. Er entstammte einem Reichsfürstengeschlecht, das seit dem 12. Jahrhundert zur Elite des europäischen Adels zählte. Sein Vater war General und ein Despot. Charles trieb seinen Vater durch Eigenwilligkeit und schlechtes Benehmen zur Weißglut. In vornehmer Untertreibung schrieb er einmal: "Mein Vater hat mich nie geliebt. Ich weiß nicht warum, denn wir kannten uns eigentlich gar nicht." Seine Mutter, aus dem Hause Salm stammend, starb schon früh.

Charles wurde von Hauslehrern unterrichtet. Die von seinem Vater ausgesuchten Lehrer waren nicht besonders für ihren Beruf geeignet. Eine rühmliche Ausnahme war der Chevalier de la Porte, der in dem Jungen nicht nur den Willen festigte, ein genialer Feldherr und Diplomat gleich dem großen Prinzen Eugen von Savoyen und ein nicht minder brillanter Schriftsteller zu werden. Charles wurde vom Chevalier geprägt und hielt, was er sich als Kind versprochen hatte.

Ernennung zum Kammerherrn, Heirat

Er kam früh in Kontakt zum kaiserlichen Hof und reiste im Alter von 16 Jahren nach Wien. Maria Theresia ernannte ihn zum Kammerherrn. 1752 trat Charles Joseph de Ligne in das Regiment seines Vaters, Ligne-Infanterie, ein.

1755 heiratete er die 14-jährige Wiener Hofdame Françoise Marie Xavière von Liechtenstein. Der Familientradition gehorchend wurde Charles im Dienst für die Habsburger Monarchie verankert.

Der Siebenjährige Krieg

Schließlich bot der Siebenjährige Krieg ab 1756 Gelegenheit, sich militärisch auszuzeichnen. Ligne brillierte bei Leuthen, Hochkirch und Maxen und durfte dem französischen König die Siege der Österreicher verkünden. Versailles hingegen war für ihn eine Enttäuschung. König Ludwig XV. interessierte sich nur für Perücken. Mme. de Pompadour schwafelte über politische Strategien, und die Militärs mäkelten über die österreichische Kriegsführung. Trotzdem blieb de Ligne und avancierte in den Pariser literarischen Salons zum Liebling der Saison.

Tod des Vaters, Erbe des Familienvermögens, Treffen mit König Friedrich II. von Preußen

Nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1766 wurde Charles Joseph de Ligne 7. Fürst des Hauses de Ligne. Er übernahm das Familienvermögen mit Besitzungen im Hennegau, in Flandern, Frankreich, Polen, Österreich, Spanien, Böhmen und auf der Krim. Er kehrte in die Heimat zurück und verwandelte Brüssel gemeinsam mit dem Habsburger Gouverneur Karl von Lothringen in ein eigenes Versailles.

Im September 1770 nahm er an einem Treffen Kaiser Josephs II. mit König Friedrich II. von Preußen teil, anlässlich dessen er Friedrich von Kaiser Joseph vorgestellt wurde. Aus diesem Treffen entwickelte sich eine lange Jahre andauernde Zuneigung und Wertschätzung der beiden, die denselben geistvollen Esprit pflegten. Ligne notierte hinreissende Erinnerungen über die Tischgespräche. Er und sein Sohn besuchten den König 1780 in Potsdam auf der Durchreise nach Russland, wohin er erneut zwei Jahre später als enger Vertrauter und Berater Josephs II. in diplomatischer Mission an den Zarenhof in St. Petersburg entsandt wurde. Er gewann das Vertrauen Katharinas II. und begleitete sie auf Reisen. 1788 und 1789 kämpfte er für Russland und Österreich im Russisch-Türkischen Krieg.

Französische Revolution, danach Rückzug ins Privatleben, schriftstellerische Tätigkeit

Nachdem die Französische Revolution auch Belgien erreicht hatte und Österreich gegen die aufständischen südlichen Niederlande, zu denen Belgien damals weitgehend gehörte, eine Niederlage einstecken musste, verlor de Ligne die meisten seiner Besitztümer und ging 1794 für immer nach Wien. Er zog sich ins Privatleben zurück und entwickelte eine umfangreiche schriftstellerische Tätigkeit.

1810 erschienen in Weimar die militärischen Schriften Lignes - aus denen Napoleon viele Anregungen für die eigene Kriegsführung abgeleitet hat. 1811 folgte Ligne der Einladung Carl Augusts, der sich von dem Fürsten gerne als den "besten aller Buchhändler" umschmeicheln ließ, und besuchte im Oktober Weimar.

Zahlreiche überlieferte Bonmots

Charles Joseph de Ligne ist ob seiner zahlreich überlieferten Bonmots in die europäische Geschichte eingegangen. Seine letzte schlagfertige Bemerkung machte er am Totenbett: Anfang Dezember 1814 konnte er aufgrund eines "bösartigen Rothlauffiebers" (laut Totenschauprotokoll) nur mehr im Bett liegen. Henrich Graf zu Stolberg-Wernigerode berichtet in seinem Tagebuch, dass eine Tochter Lignes, Marie-Louise-Elizabeth Clary, an seinem Bett niedergekniet und des Vaters Hand geküsst haben soll. Dies soll er auf Französisch mit "Mein Gott, betrachten Sie mich schon als einen Heiligen?" kommentiert haben.

"Der Kongress tanzt"

Charles Joseph de Ligne erlebte die ersten Monate des Wiener Kongresses. Zahlreiche Teilnehmer des Kongresses berichteten von den Einladungen des "von Geist und Witz sprießenden" Fürsten in dessen einfachem Haus auf der Mölkerbastei. In diesem Gebäude fiel auch sein bekanntestes Bonmot, welches verkürzt und seines Sinnes beraubt, als "Der Kongress tanzt" in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ist.

Da er kurz nach seinem Ausspruch gestorben ist, hat er ihn nicht schriftlich dokumentiert. Somit sind es Zeitzeugen, die den Ausspruch in mehreren Versionen überlieferten.

Am häufigsten sind die drei Varianten "Le congrès ne marche pas; il danse" (Der Kongress kommt nicht vom Fleck; er tanzt), "Le congrès danse, il ne marche pas" (Der Kongress tanzt, aber er schreitet nicht voran) und "Le congrès danse bien, mais il marche mal" (Der Kongress tanzt gut, aber es funktioniert nicht richtig) nachzuweisen. In den allgemeinen deutschen Sprachgebrauch ist nur "Der Kongress tanzt" eingegangen, womit der feine französische Wortwitz verschwunden ist.

Werke (Auswahl)

Mélanges militaires, littéraires et sentimentaires, 34 Bde., Paris 1795–1811
Vie du prince Eugène de Savoie, Paris 1809
Literat und Feldmarschall. Briefe und Erinnerungen des Fürsten Charles Joseph de Ligne, Hg. Günther Elbin, Stuttgart 1979
Der Garten zu Beloeil nebst einer kritischen Übersicht der meisten Gärten Europens. Aus dem Französischen des Herrn Fürsten de Ligne übersetzt und mit einigen Anmerkungen und einer Vorrede begleitet von W. G. Becker. Reprint der Ausgabe Dresden 1799, mit Nachbemerkungen und einem Register versehen von Ludwig Trauzettel, Wörlitz 1995
Mon Journal de la guerre de Sept Ans. Hg. von Jeroom Vercruysse und Bruno Colson. Editions Honoré Champion, Paris 2008 (=L'Âge des Lumières 44).
Fritz Schalk, Hg., Vorwort und Übers.: Die französischen Moralisten. Bd. 2: Galiani, Fürst von Ligne, Joubert. Sammlung Dieterich, 45. 4. neubearb. Aufl. Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Wiesbaden o. J. & Leipzig 1962

Verehrer von Karoline Traunwieser, Tod

Charles Joseph de Ligne war auch ein Verehrer der “schönsten Frau des Wiener Kongresses”, Karoline Traunwieser. Er starb wenige Monate vor ihr am 13. Dezember 1814.

Das Grab am Kahlenberger Friedhof

Charles Joseph de Ligne wurde auf dem kleinen Friedhof auf dem Kahlenberg, einem seiner Lieblingsplätze in Wien, begraben.

Weblinks

Wir erinnern uns

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